Ausgabe 7/2010
Liebe Leserinnen und Leser,
kein Tag vergeht, an dem nicht neue Enthüllungen über sexuellen Missbrauch oder Misshandlungen von Minderjährigen und Schutzbefohlenen ans Tageslicht kommen. So schlimm das Geschehene auch ist: Mir drängt sich der Eindruck auf, als ob es in der Berichterstattung in manchen Fällen gar nicht mehr um die Aufarbeitung geht, sondern vielmehr darum, sich mit Schlagzeilen zu überbieten.
Es hat beispielsweise böse Missgriffe bei den berühmten Regensburger Spatzen gegeben. Als sich herausstellte, dass der Bruder von Papst Benedikt XVI., Domkapitular Georg Ratzinger, „Domspatzen“ geohrfeigt hatte - schlimm genug - geriet auch der Papst selbst in die „Schusslinie“. ‚Er muss einfach etwas gewusst und dann vertuscht haben’, hieß es. All jene, die Vorbehalte gegen die Kirche haben, die katholische insbesondere, fühlten sich bestätigt und bemüßigt, Priestertum oder doch wenigstens Zölibat in Frage zu stellen. Missbrauch wurde und wird gewissermaßen als „kirchenimmanent“ dargestellt. Mit ernsthafter Aufklärung und dem Bemühen, künftig Missgriffe zu verhindern, hat dieses immer weniger zu tun.
Die anhaltenden und sich steigernden Attacken gegen Außenminister Westerwelle stimmen mich ebenfalls nachdenklich. Gewiss: Mit seiner Wortwahl beim Lostreten der Hartz-IV-Diskussion hat er zweifellos Angriffsflächen geboten. Doch ihm nun zu unterstellen, bei der Zusammenstellung der ihn ins Ausland begleitenden Delegationen würde er nur noch Familienmitglieder oder FDP-Unterstützer berücksichtigen, ist schlichtweg infam.
Hätte der damalige SPD-Außenminister Steinmeier all jene aus seinen Delegationen ausgeschlossen, die jemals der SPD gespendet hatten, hätte er sicherlich allein reisen müssen. Mit Unterstellungen lässt sich auf Dauer keine Politik machen. Dass die Linken diese Wahrheit ignorieren, ist kaum verwunderlich, dass die SPD es tut, muss jeden Demokraten schmerzen. Hier werden Gräben aufgerissen, die irgendwann einmal auch wieder zugeschüttet werden müssen.
Um das „Linsengericht“ des Erfolges bei den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen vergiften SPD, Linke und andere Interessierte das politische Klima in unserem Land. Der Demokratie erweisen sie damit einen Bärendienst.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr
Alex Funk
14.03.2010